30. Dezember 2020, 15:27 | Autor: Fast-Media | Björn Niemann

Von Lockdown bis Weltmeisterschaft

2020 war zweifelsohne ein ganz besonderes und einzigartiges Jahr. Dabei sah es zu Beginn nach einer normalen Saison aus, doch schnell folgte ein europaweiter Lockdown. Erst im Sommer startete der Kartsport wieder durch und absolvierte trotz aller Schwierigkeiten innerhalb von nur fünf Monaten eine ganze Saison – ein Kraftakt für alle Beteiligten.

In wenigen Stunden endet das Jahr 2020 und wir möchten uns die Zeit nehmen, die vergangenen 365 Tage Revue passieren zu lassen. Der Start in die Saison verlief normal. Im Januar fand zum 28. Mal die internationale Kartmesse statt – wieder präsentierte sich die Welt des Kartsports in Offenbach am Main. Gleichzeitig startete die Rennsaison: Mit dem WSK Champions Cup, der Super Masters Series, dem Winter Cup in Lonato sowie dem RMC-Winter-Cup in Campillos (Spanien) und dem IAME X30 Winter Cup in Valencia (Spanien) gab es den ersten Schlagabtausch auf höchstem internationalem Niveau. Doch dabei zeichnete sich bereits ab, dass die deutsche Beteiligung auf internationalem Boden in diesem Jahr sehr gering ist.

Ende Februar breitete sich jedoch in Europa die Corona-Pandemie aus und es folgte der Lockdown. Bis Mitte Juli stand der Rennzirkus still. Mit der Kart-Magazin Sim Challenge sorgten wir aber für einen digitalen Ersatz. Fast 100 Kartfahrer duellierten sich in packenden Rennen auf der Playstation. Am Ende feierten Kiril Gense (KMSC Spring Edition) und Valentin Kluss (KMSC Mini Challenge) einen Gesamtsieg und durften sich über tolle Preise freuen. Zusätzlich kam es zum Schlagabtausch zwischen professionellen E-Sportlern und Kartfahrern. Auch wenn der Sieg an den Esport-Profi ging, haben die Kartsportler eine starke Leistung abgeliefert. An dieser Stelle ein großer Dank an Josh und Aaron der JDR-Liga, welche maßgeblich an der Durchführung beteiligt waren.

Mit dem Öffnen der Kartbahn lag der Fokus aber wieder auf den realen Rennsport. Alle großen deutschen Serien haben – auch wenn teils gekürzt – ihr Programm durchgezogen. Die DKM war dabei gleich zweimal in Kerpen zu Gast und gab ein Comeback in Oschersleben. Am Ende gingen die Titel an Juho Valtanen (DKM), Kris Haanen (DJKM), Jorrit Pex (DKSM) und Tim Tröger (DSKC). Ein Teil der DKM war auch wieder die Deutsche Elektro-Kart-Meisterschaft. Im dritten Anlauf gewann Luka Wlömer aus Berlin den renommierten Titel.

Das ADAC Kart Masters feierte gleich zwei Premieren. Erstmals kam in Deutschland die neue internationale Mini-Klasse zum Einsatz und nach langer Planungs- und Bauphase wurde die brandneue Arena E in Mülsen (Sachsen) eingeweiht. An vier Rennwochenenden lieferten sich teils Rekordfelder packende Fights. Die Siegerpokale holten sich Phil-Colin Strenge (Mini), Maddox Wirtz (X30 Junior), Louis Kulke (X30 Senior), Kris Haanen (OKJ), Luca Griggs (OK), David Trefilovs (KZ2) und Mathilda Paatz (Ladies Cup).

Als dritte deutsche überregionale Rennserie ging die Rotax Max Challenge Germany auf die Reise. In Mülsen, Wackersdorf und Wittgenborn fand jeweils ein Doppelevent statt, bei welchem die Fahrerinnen und Fahrer um die Titel und begehrten Tickets der Rotax Max Challenge Grand Finals kämpften. Das 2020er Finale findet ausnahmsweise 2021 statt. Ende Januar sind die weltweit besten Rotax-Fahrer in Portimao zu Gast. Maximilian Pilch (Micro), Austin Lee (Mini), Valentin Kluss (Junior), Linus Hensen (Senior), Florian Breitenbach (DD2) und Denis Thum (DD2 Masters) vertreten dort als deutsche Champions die schwarz-rot-goldenen Farben.

Zusätzlich fanden auch verschiedenste nationalen Clubsport-Rennserien statt. In der RMC Germany, den ADAC Regionalserien (WAKC, OAKC und SAKC) sowie der Kart-Trophy Weiß-Blau erlebten die Teilnehmer tollen Kartsport.

Auch über die deutschen Grenzen hinaus gab es trotz der Pandemie internationalen Top-Kartsport. Jedoch meist verbunden mit hohen Auflagen und Einschränkungen an der Rennstrecke. In Deutschland waren in Wackersdorf über 160 Piloten zur FIA Kart Europameisterschaft der Klassen OK Junior und OK zu Gast. Als neue Europameister wurden Ugo Ugochukwu (OKJ), Andrea Kimi Antonelli (OK), Marijn Kremers (KZ) und Viktor Gustavsson (KZ2) gekürt. Den Titel in der FIA Karting Academy Trophy gewann der US-Amerikaner Connor Zilisch. Für große Freude aus deutscher Sicht sorgte David Trefilov beim EM-Finale in Genk, der Schützling vom SRP Racing Team feierte dort seinen ersten EM-Sieg.

Zur Weltmeisterschaft reisten die Schaltkartfahrer 2020 wieder nach Lonato. Durch die Veränderungen im Rennkalender fand zum zweiten Mal in Folge das Highlight auf dem South Garda Circuit statt. Leider wurde das Wochenende durch einige unschöne Szenen im KZ-Finale überschattet und brachte dem Kartsport eine ungewollte weltweite Präsenz ein. Die neuen Weltmeister Jeremy Iglesias (KZ) und Simone Cunati (KZ2 Super Cup) gerieten dadurch etwas in den Hintergrund. Eine Regenschlacht gab es bei der Weltmeisterschaft der OK-Klassen in Portugal. Eigentlich war geplant, die WM in diesem Jahr in Brasilien auszutragen, doch die Reisebeschränkungen machten das Vorhaben unmöglich. Somit ging es Anfang November nach Portimao. Bei strömenden Regen spielten die Briten ihre Fähigkeiten auf nasser Strecke aus. Freddie Slater (OKJ) und Callum Bradshaw (OK) holten sich die WM-Krone. In der OK-Klasse gab es zusätzlich einen geschichtsträchtigen Erfolg. Die ersten drei Plätze waren besetzt von Tony Kart-Fahrern.

Neben den FIA Top-Events gingen trotz Pandemie auch die Rennen der WSK, Champions of the future, Rotax Max Challenge Euro Trophy und IAME X30 Euro Series über die Bühne und sorgten damit für eine doch noch vollständige Kartsportsaison.

Ein großer Dank geht an alle Veranstalter sowie die zahlreichen Helfer und Freiwillige. Nur durch deren Bereitschaft in der aktuell schwierigen Lage eine Rennveranstaltung durchzuführen, hat dazu geführt, dass wir alle unseren geliebten Sport ausüben konnten. Eine Tatsache die leider manche Fahrer und Teams aus den Augen verlieren.

Auch 2021 warten wieder einige Herausforderungen und es wird wiederholt ein nicht normales Jahr. Mit den Erfahrungen aus diesem Jahr, sollte es aber deutlich ruhiger verlaufen.

Wir bedanken uns bei allen Lesern, Kunden und Freunden für deren Vertrauen und freuen uns auf 2021. Bis dahin wünschen wir allen viel Gesundheit und einen guten Start in das neue Motorsportjahr.

Euer Team von Kart-Magazin.de