MSC Oberflockenbach zurück in der Victory Lane
Durch den überraschenden Sieg der Racoon-Mannschaft beim Bavarian 24h ist der Fight um den GTC-Titel spannender denn je geworden. Für das 12h-Rennen von Wittgenborn hieß das: Eine Vorentscheidung würde hier nicht fallen, dafür müssten schon mehrere der sieben Titelaspiranten leer ausgehen bzw. mit äußerst wenigen Punkten die Heimreise antreten.
Honda Spirit holt die Pole Position
Im Qualifying sah man die üblichen Verdächtigen vorn. Im Q1 lag ATW Racing knapp vor ZAP153. Im anschließenden Single-Qualifying über eine gezeitete Runde holte sich Honda Spirit die Pole Position vor dem GCD Bosch GTC Team und dem MSC Oberflockenbach. ATW Racing startete von Rang 4 vor ZAP153.
Mitfavorit Cinquanta Corse haderte mit dem Set-up, verpasste sogar das Q2 und musste vom 14. Startplatz das Rennen aufnehmen.
Honda Spirit und ATW Racing setzen sich ab
Bei besten Bedingungen sahen die 28 Mannschaften pünktlich um 12 Uhr die grüne Flagge und nahmen den ersten Teil über sieben Rennstunden in Angriff.
Zunächst blieb die Spitze dicht beieinander, man positionierte sich und suchte den richtigen Rhythmus. Mit zunehmender Renndauer sah man zwei Mannschaften, die einen Tick schneller unterwegs waren und sich langsam absetzen konnten. Honda Spirit und ATW Racing waren das Maß der frühen Stunde, während Racoon Racing und Cinquanta Corse den Speed nicht mitgehen konnten. Alle drei ZAP-Mannschaften, das GCD Bosch GTC Team, der MSC Oberflockenbach, Schall Racing sowie ARM Motorsport folgten den beiden Top-Runnern zwar mit Respektabstand, aber längst nicht chancenlos – gerade wenn man bedenkt, dass zumindest der MSC Oberflockenbach bereits im ersten Turn einen von zwei geforderten Heavy Turns absolvierte.
ATW läutete die Phase der ersten Boxenstopps ein. Man ging nicht an das erlaubte 65-Minuten-Limit, um die „Rushhour“ des ersten Boxenfensters zu vermeiden. Diese beliebte Strategie wäre der #5 aber fast zum Verhängnis geworden. Zum zweiten Stopp war zwangsläufig ATW Racing wieder als Erster in der Box, dieses Mal auch zum Nachtanken. Gerade wieder auf der Strecke, strandete FAF Racing mit einer gebrochenen Lenkradaufnahme. Die erste SC-Phase wurde nötig und sämtliche Verfolger konnten nun unter Gelb ihren Boxenstopp absolvieren.
Cleverer Boxenstopp bringt Honda Spirit in Führung
Nur mit richtig viel Dusel blieb ATW rundengleich mit der Spitze, hing aber am Ende des Feldes. Kurz vor Ende der SC-Phase überraschte Honda Spirit alle anderen, indem sie zum zweiten Mal die Box aufsuchten und den geforderten zusätzlichen Fahrerwechsel gleich in die erste SC-Phase legten. Die Gegner konnten nicht kontern, da das Feld wieder mit Grün auf die Reise geschickt wurde. Man musste auf die nächste SC-Phase hoffen. Doch diese, selten genug in der GTC, kam einfach nicht. Bis zum Ende des ersten Teils nach sieben Rennstunden gab es keine einzige Gelbphase mehr. Nachdem alle Mannschaften ihre sieben Fahrerwechsel absolviert hatten, sah sich Honda Spirit mit einer Runde Vorsprung auf das zweitplatzierte Team im Parc Fermé.
ZAP153 lag also eine Runde zurück. Dahinter, auf Rang 3, aber nun schon zwei Runden zurück: ZAP154 vor dem MSC Oberflockenbach, ATW Racing und ZAP152. ATW hatte sich kurz vor der Unterbrechung entschieden, neue Reifen aufzuziehen, verpatzte diesen Wechsel aber etwas. Sonst wäre der Rückstand wohl nur eine Runde gewesen.
Doch ob eine oder zwei Runden: Wie soll man dies bei so einem ausgeglichenen Feld im Verlauf der letzten fünf Rennstunden am Sonntag noch aufholen? Zumal Honda Spirit nach wie vor eines der schnellsten Teams im Feld war.
Technischer Defekt macht den Kampf um den Sieg wieder offen
Der Sonntagmorgen begrüßte die Teams mit ebenso tollen, sonnigen Bedingungen wie am Vortag. Man war auf ein eher langweiliges Rennen gefasst, zumindest was den Fight um den Sieg anging. Doch bereits kurz nach der Startfreigabe ging es rund.
Schon nach 15 Minuten kam der Spitzenreiter unplanmäßig in die Box. Am Gewichtskasten war die Halterung weggebrochen. Reaktionsschnell konnte Dominik Buß diesen noch mit der Hand sichern und so die Box ansteuern. Die Reparatur aber dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Fünf Runden kostete dieser Zwischenfall. Zumindest wurde auch gleich ein frischer Satz Reifen montiert.
Hondas Hauptgegner beim Kampf um den Titel, ZAP153, nutzte nun die Gelegenheit, sicherheitshalber die Kette nachzuspannen. Das Ergebnis: Fast alle Top-Runner fighteten nun wieder rundengleich um den Sieg – außer Honda Spirit und Cinquanta Corse. Bei der #50 nutzte auch ein Reifenwechsel am Samstag nichts. Es fehlte über eine halbe Sekunde, hier konnte nur noch Glück das Team weiter nach vorn bringen.
MSC Oberflockenbach dreht auf
Vorne aber ging auf einmal die Post ab. Allen voran der MSC Oberflockenbach. Die Mannschaft segelte bisher unter dem Radar, indem sie sehr früh die kompletten 120 Minuten Heavy Hour abspulte. Am Sonntag aber fragte man sich: Wo haben die ihren Speed gefunden? In Wittgenborn hatten sie ihr Mach1 perfekt abgestimmt, sodass selbst hohe Asphalttemperaturen dem Chassis nichts mehr anhaben konnten. Auch verzichteten sie auf einen Reifenwechsel, schließlich brachen die Rundenzeiten in keiner Weise ein. Lediglich eine 10-Sekunden-Strafe bremste den Vorwärtsdrang etwas.
Und nun ging es dann wirklich Schlag auf Schlag: Die Strecke bzw. der Ritt über die Randsteine forderte ihren Tribut. Beim GCD Bosch hatte es den Rahmenschoner abgeraspelt und die übrigen Fragmente verkeilten sich unter dem Chassis. ATW Racing sah sich erneut in der Box, als man mehrere Schrauben im Bodenblech ersetzen musste, und Racoon Racing durfte die Lenksäule nach einem Crash wechseln.
Souveräner Sieg und starke ZAP-Mannschaftsleistung
So ging es in die letzte Phase des Rennens und vorn hatte der MSC Oberflockenbach alles im Griff. ZAP153 versuchte alles, konnte sich aber nicht in Schlagdistanz bringen. So feierte der MSC Oberflockenbach einen ganz starken Sieg und verhalf Mach1 zu einem Gesamtsieg vor der ganzen OTK-Meute.
ZAP153 fuhr 49 Sekunden später als Zweiter über die Ziellinie und war hochzufrieden. Schließlich konnte man mit P3 für ZAP152 und P4 für die ZAP154-Mannschaft eine extrem gute Mannschaftsleistung hinlegen, zumal dadurch für Honda Spirit nur der 5. Rang übrig blieb. Die #22 konnte gerade noch Schall Racing auf Rang 6 verweisen. Bei den Dornstädtern war man trotzdem hochzufrieden. Endlich ist der Speed zurück, man fightete mit den Besten mit und nur eine Stop-and-Go-Strafe verhinderte eine noch bessere Platzierung.
Showdown beim Finale in Liedolsheim
Beim Finale in Liedolsheim am 10./11. Oktober kommt es nun zum Showdown. ZAP153 hat die Tabellenführung übernommen, aber Honda Spirit liegt nur zehn Punkte zurück. Auch Cinquanta Corse auf P3 mit 22 Punkten Rückstand darf man nicht abschreiben, schließlich werden noch 70 Punkte verteilt.


