Franciacorta war beste Werbung für den Schweizer Kartsport

19. April 2022, 22:12 | Autor:
Franciacorta war beste Werbung für den Schweizer Kartsport
Der erste Lauf zur autobau Schweizer Kart-Meisterschaft im italienischen Franciacorta bot alles, was das Racer-Herz begehrt: Spannende Rennen, dramatische Momente und überglückliche Sieger.

Der mit Spannung erwartete Saisonauftakt im italienischen Franciacorta hielt, was er versprochen hatte. Mehr als 90 Fahrer und Fahrerinnen boten unterhaltsamen Motorsport. Und die teils knappen Ausgänge in den einzelnen Rennen machen jetzt schon Lust auf mehr. Dass sich nicht in allen Kategorien die vermeintlichen Favoriten durchgesetzt haben, war das Tüpfelchen auf dem i. Oder anders gesagt: Franciacorta war beste Werbung für den Schweizer Kartsport!

Mit 31 FarerInnen war das Feld der Super Minis das mit Abstand grösste. Auf dem Papier galt Dan Allemann als Favorit. Dieser Rolle wurde der 10-Jährige aus dem Team Spirit Racing auch gerecht. Allerdings fielen dem Sohn von Teambesitzer Ken Allemann die Siege nicht in den Schoss. Im ersten Vorlauf war es Albert Tamm aus Lugano, der Allemann den Sieg streitig machte. Im zweiten Durchgang war es der italienische Gaststarter Riven Esteves gefolgt von Orlando Rovelli und Matt Corbi, die Allemann neun Runden lang vor sich herjagten. Und im Finale war es schliesslich Arnaud Voutat, der mit nur 1,4 Sekunden Rückstand auf Allemann, nie locker liess und als Teamkollege des Auftaktsiegers für einen Spirit-Doppeltriumph sorgte. Sehr zur Freude von Ken Allemann, der nach dem Zieleinlauf doppelten Grund zur Freude hatte. «Das war einfach genial», schwärmte der ehemalige Kart-Champion.

Überschattet wurde der erste Lauf der Super Minis von zwei Unfällen, die sich beide in der letzten Runde des ersten Vorlaufs ereignet hatten. Betroffen waren Alexis Genolet und Tommaso Sciortino. Beide Fahrer überschlugen sich und mussten ärztlich behandelt werden. Während Genolet mit der Ambulanz ins Krankenhaus gebracht und noch am selben Abend Zuhause in Genf am rechten Handgelenk operiert wurde, kam Sciortino mit Prellungen an den Beinen davon. Auto Sport Schweiz wünscht beiden Fahrern eine rasche Genesung!

Bei den OK Junioren standen 16 Fahrer und Fahrerinnen am Start. Schnellster im Qualifying war SM-Neuling Kilian Josseron. In den Rennen bestimmte dann die einzige Dame im Feld das Tempo. Chiara Bättig fuhr in allen drei Läufen vorne weg und ist damit nach dem ersten Wochenende auch klare Leaderin im Gesamtklassment. Doch auch für Bättig wird es spätestens beim nächsten Rennen wieder eng. Josseron hat mit zwei zweiten Plätzen in den Vorläufen angedeutet, dass er ein Gegner auf Augenhöhe sein wird. Und auch Elia Epifanio wird Bättig das Leben beim nächsten Mal sicher schwerer machen. Der Fahrer aus dem Exprit-Team hatte sich im ersten Vorlauf noch vor dem Start beim Reifenaufwärmen gedreht und war untröstlich. Im zweiten Lauf fuhr er von ganz hinten auf Rang 4 vor. Im Finale schaffte er es als Zweiter sogar aufs Podium. «Ich ging bei jedem Lauf mit einem super Gefühl an den Start», sagte Bättig. «Dass ich das Finale mit sechs Sekunden Vorsprung gewinnen würde, hätte ich nie gedacht. Ich bin überglücklich und werde weiter hart an mir arbeiten.»

Spannend waren auch die Läufe in der X30 Challenge Switzerland. Nach dem Abgang von Vorjahresmeister Savio Moccia (in Richtung OK Senior) war es Kilian Streit der im Qualifying 33 Tausendstel schneller war als Michael Sauter. Und diese beiden lieferten sich auch in den Rennen harte Zweikämpfe, wobei Sauter im ersten Vorlauf nach einem Fehler von Streit die Nase vorne hatte. Im zweiten Heat war es dann Streit, der das bessere Ende für sich hatte, während Sauter wegen eines Spoilervergehens von Platz 2 auf Platz 12 zurückbeordert wurde. Auch im Finale war Sauter stets dicht dran an Streit. Im Ziel fehlten dem Baselbieter nur 0,378 Sekunden. «Das war ein hartes Rennen», meinte Streit nach dem Finale. «Ohne Windschatten durfte ich mir keinen Fehler erlauben, sonst hätte Sauter diese Chance genutzt.» Neben Streit und Sauter fiel mit Nicolaj Sabo ein weiterer Fahrer in Franciacorta positiv auf. Der Schaffhauser fuhr in allen drei Rennen aufs Podium. Für das beste Ergebnis einer Dame sorgte Saskia Boss als Achte im ersten Vorlauf. Ihr Bruder Kilian musste sich im Finale mit dem undankbaren vierten Platz zufriedengeben.

Bei den OK Senioren bahnt sich schon nach dem ersten Wochenende ein spannender Dreikampf an. Mit Lyon Mathur (Sieger im ersten und zweiten Vorlauf) sowie OK-Senior-Neuling Jérôme Huber (Sieger im Finale) hat der amtierende Meister Patrick Näscher zwei starke Konkurrenten. Während Mathur schon im Vorjahr um den Titel fuhr, ist Hubers Leistung besonders hervorzuheben. Nach der Pole-Position und Platz 2 im ersten Vorlauf hätte der Zürcher auch im zweiten Heat auf dem Podium gestanden, wenn er nicht wegen einer 5-Sekunden-Strafe (Spoiler) auf Platz 5 zurückgestuft worden wäre. «Wir hatten Probleme, die Reifen ins richtige Temperaturfenster zu bringen, nachdem es am Freitag und Samstag noch problemlos geklappt hatte», meinte Näscher. «Vielleicht lag es am Temperaturunterschied – wir wissen es nicht genau. Aber wir haben dennoch wichtige Punkte gesammelt. Und Franciacorta war schon 2021 nicht unbedingt unsere Paradestrecke.» Noch nicht auf Touren kam OK-Senior-Neuling Savio Moccia. Der Berner haderte mit dem Chassis und den Bremsen und wurde im ersten Heat zu allem Überfluss von Franciacorta-Vorjahressieger Lukas Muth umgedreht. Nach Platz 7 im Finale reiste Moccia enttäuscht ab. «Wir haben noch viel Arbeit vor uns», so der fünfmalige Schweizer Kart-Meister.

In der Kategorie KZ2 war der italienische Gaststarter Alessandro Buran nicht zu bremsen. Der Birel-Pilot gewann alle drei Läufe souverän, bekommt aber für die Wertung in der Schweizer Meisterschaft keine Punkte. So kam Sebastian Kraft schon im ersten Vorlauf in den Genuss seines ersten SM-Sieges bei den Schaltkarts. Zweiter wurde der Tessiner Ethan Frigomosca. P3 ging an Michel Liechti. Im zweiten Heat lautete die SM-bereinigte Reihenfolge: 1. Frigomosca, 2. Liechti, 3. Evan Vantaggiato. Im Finale war es dann wieder der schnelle Kraft, der die Nase vorn hatte – erneut vor Frigomosca und Vantaggiato, der nach zwei Jahren Pause ein starkes Comeback feierte. Nicht am Start war der Überflieger der letzten Jahre: Nicolas Rohrbasser. Der Genfer musste auf den SM-Auftakt verzichten. «Ich habe seit Januar eine Rippenverletzung», so Rohrbasser. «Ich dachte, dass ich bis Franciacorta wieder fit genug bin, aber nach ein paar Runden bei einem Test musste ich feststellen, dass ich noch etwas Zeit brauche.»