Eine Kart-Lady siegt in der Königsklasse

23. Mai 2016, 21:29 | Autor: Markus Lehner
Eine Kart-Lady siegt in der Königsklasse

Die Schweizer Kart-Meisterschaft ging am vergangenen Wochenende auf heimischen Boden in Lignières im Kanton Neuchâtel in die zweite von sechs Runden. In allen fünf Klassen und den insgesamt 15 Rennen wurde den Zuschauern spannender und äusserst intensiver Motorsport geboten. In der Königsklasse KZ2 gab es eine Sensation: Die Kart-Lady Isabelle von Lerber (Swiss Hutless) setzte sich gegen die gesamte männliche Konkurrenz durch.

Der zweite der sechs SKM-Meisterschaftsläufe der Saison 2016 wurde erfreulicherweise nicht im angrenzenden Ausland, sondern auf Schweizer Boden ausgetragen. Auf dem perfekten Überblick und viel Sicherheit bietenden TCS-Trainingsgelände in Lignières/NE sahen die Zuschauer in allen fünf Klassen spannenden und fairen Sport. Dank den überhöhten Böschungen rund um das Areal konnte das Kart-Spektakel aus nächster Nähe mitverfolgt werden. Auch das Wetter spielte mit. Die Trainings am Samstag und die Rennen am Sonntag konnten allesamt bei Sonnenschein und frühsommerlichen Temperaturen durchgeführt werden, erst nach den Finalrennen am Sonntag Nachmittag tauchten dunkle Regenwolken auf.

KZ2-Königsklasse: Isabelle von Lerber!

Bei den mit sechs Gängen ausgerüsteten und mehr als 50 PS starken KZ2-Karts, der Königsklasse im Kart-Sport, gab es eine faustdicke Überraschung: Isabelle von Lerber (Swiss Hutless), die bereits beim Saisonauftakt in Pavia/I vorne an der Spitze mitgemischt hatte, gewann das entscheidende Finale! Die beiden Vorläufe hatte noch Nico Rohrbasser (Kosmic) gewonnen, doch im Endlauf musste er nach einem technischen Defekt in Führung liegend frühzeitig die Segel streichen. Damit war der Weg frei für Isabelle von Lerber, die alle Attacken von Sven Müller (Tony Kart) bis ins Ziel nach 24 Runden erfolgreich abwehrte. „Ich musste kämpfen bis zum Schluss, Sven hat viel Druck von hinten gemacht. Aber ich habe keine Fehler gemacht und so hat es zu meinem ersten Sieg gereicht“, freute sich von Lerber. Sven Müller lobte die Siegerin: „Isabelle hat mir keine Chance zum Überholen gelassen. Aber Platz 2 ist auch in Ordnung. Wenn mir jemand diese Klassierung vor dem Rennen angeboten hätte, hätte ich sofort zugriffen.“ Dritter wurde Paul Hökfelt (CRG), der den Auftakt in Pavia gewonnen hatte, aber jetzt in Lignières nach technischen Problemen in den Vorläufen von weit hinten hatte starten müssen. Mehr als Platz 3 lag so nicht mehr drin.

Iame X30 Challenge Switzerland: Erneut Hicham Mazou

SM-Leader Hicham Mazou (Kosmic) kam in den Vorläufen nicht auf Touren. Den zweiten der beiden Vorläufe musste er wegen eines technischen Problems sogar aufgeben. Doch im Finale kämpfte er sich durch das Feld und überholte sogar noch den lange führenden Norick Lehner (Praga), der die beiden Vorläufe klar gewonnen hatte. „Gegen Ende des Rennens holte mich Lehner wieder ein, und ich musste alles geben, um vorne zu bleiben“, erzählte Mazou. Lehner war aber auch mit Platz 2 einverstanden: „Meine Strategie ging nicht ganz auf. Mazou war schnell unterwegs, also blieb ich in seinem Windschatten und griff in den letzten drei Runden an. Doch ich kam nicht vorbei“, erzählte Lehner. Platz 3 ging an Alessandro Felber (Tony Kart), der einen spannenden Kampf gegen Kevin Wälti (Kosmic) über praktisch die ganze Renndistanz für sich entschied.

Iame X30 Junior: Klare Sache für Savio Moccia

Die X30-Junioren-Klasse gewann in Lignières Savio Moccia (Praga). Nach einer turbulenten Startphase inklusive mehrerer Rempeleien im Spitzenfeld hatte Moccia freie Bahn und gewann überlegen. „Ich hatte Glück, dass ich im Gerangel ungeschoren durchkam. Ich konnte den kleinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen, zumal mein Kart gegen Rennende immer besser lief.“ Hinter Moccia belegten Julian Wagg (Kosmic) und Silvano Messmer (Tony Kart) die restlichen Podestplätze.

OK-Senior: Erster Triumph für Fabio Leimer

Die 2016 neu lancierte Serie soll mittelfristig als Sprungbrett für Fahrer dienen, die eine internationale Karriere anstreben. In Lignières dominierte mit Fabio Leimer (27, Mach1) ein international bekannter Auto-Rennfahrer, der 2013 die GP2-Serie für sich entschieden hatte. Leimer gewann in Lignières beide Vorläufe und auch das Finale. Doch der Auto-Star wurde von Yannik Klaey (Kosmik) und Samuel Weibel (Exprit) mächtig unter Druck gesetzt. „Für diesen ersten Kart-Sieg nach mehr als zehn Jahren Pause musste ich hart kämpfen“, sagte Leimer. „Klaey und Weibel gaben bis zum Schluss nicht auf. Zwei Runden vor Schluss beging ich einen kleinen Fehler, der meinen bereits geringen Vorsprung weiter schrumpfen liess. Aber es hat doch noch gereicht.“ Der zweitplatzierte Klaey meinte dazu: „Einen Fahrer wie Fabio kannst du nicht so einfach überholen, der kennt alle Tricks. Zudem bot die Strecke wenig Überholmöglichkeiten. Versucht habe es natürlich trotzdem.“

Super Mini: Sperandio auf Nummer sicher

Der erst 10 Jahre alte Elia Sperandio (Praga) bewies in der Nachwuchsklasse mit den 12 bis 15 PS starken 60-ccm-Motoren Köpfchen. Er lag im Finale eine Runde vor Schluss hinter Alessio Fagone (Exprit) zurück und wusste, dass dieser eine Zeitstrafe wegen Frühstarts kassiert hatte. Also hätte Sperandio Zweiter bleiben können und der Sieg hätte dennoch ihm gehört. Doch Sperandio attackierte trotzdem, überholte Fagone und gewann auch auf der Strecke. Die Begründung für das Überholmanöver war einleuchtend: „Ich wusste ja nicht, wie viele Sekunden Strafe Fagone gekriegt hatte, also überholte ich ihn noch, um sicher zu gehen…“

Lignieres: Saisonfinale am 17./18. September

Lignières wird die KART-SM sponsored by autobau in der Saison 2016 noch ein zweites Mal beherbergen – aber nicht mit derselben Strecke! Am zweiten Meeting am 17./18. September wird die schnelle Piste in der Gegenrichtung befahren werden. Die zweite Veranstaltung im Herbst wird gleichzeitig das Finale der diesjährigen Meisterschaft bilden. Für die Teams und auch die Zuschauer ist Lignières mit dem Auto bequem zu erreichen. Von Biel aus beträgt die Fahrzeit nur eine halbe Stunde, von Bern aus dauert es weniger als eine Stunde.

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