GTC-Finale: Final-Drama in Liedolsheim

ZAP153 verteidigt den Titel – Honda Spirit erlebt erneut ein bitteres Finale

17. Oktober 2026, 10:55
Autor: Harald Steeger | Bilderquelle: Harald Steeger
GTC-Finale: Final-Drama in Liedolsheim

Zum Ende einer langen Saison ging es zum GTC-Finale nach Liedolsheim. In einem 7h- und einem 5h-Rennen galt es, den 29. GTC-Meister zu ermitteln.

Der amtierende Meister von ZAP153 reiste mit einem Vorsprung von 10 Punkten auf Honda Spirit und 22 Punkten auf Cinquanta Corse an. Bei noch 70 einzufahrenden Meisterschaftszählern war hier noch alles möglich.

Qualifying: Honda Spirit auf Pole – ZAP am Ende des Feldes

Das Qualifying zum 7h-Rennen am Samstag fand auf regennasser Fahrbahn statt und sah eine fantastisch gut aufgelegte Mannschaft von Honda Spirit auf der Pole vor dem GCD Bosch GTC Team und dem MSC Oberflockenbach. Cinquanta Corse schwamm auf Rang 5, während die ZAP-Teams (#153 und #154) auf die letzten beiden Startplätze verwiesen wurden. Eine defekte Personenwaage bei ZAP narrte die Teamleitung, und beiden Karts mussten die gefahrenen Rundenzeiten wegen Untergewichts gestrichen werden.

Damit hatte man nun alle Zutaten für einen spannenden Rennverlauf im Kampf um die Meisterschaft.

7h-Rennen: Honda Spirit macht Druck

Das Rennen begann auf einer trockenen Ideallinie, auf Slicks zu starten stand außer Frage. Während vorne die Post abging, machten sich die ZAP-Teams auf eine vorsichtige Aufholjagd. Die Ausbremszonen waren noch nass, und unter den 32 Teams waren viele neue Mannschaften mit unerfahrenen Piloten. Hier konnte viel schiefgehen, und alle erwarteten eine SC-Orgie.

Auch deshalb blieb man bei ZAP entspannt, selbst als in der „Blitztabelle“ Honda Spirit zwischenzeitlich die Führung übernommen hatte. Doch der Speed von Honda Spirit war erstaunlich. Zusammen mit ATW Racing enteilte man dem Feld, wechselte sich mit der Führungsarbeit ab und konnte so ein starkes Polster auf alle Verfolger herausfahren.

ZAP153 kam nun langsam in den Top Ten an, hatte aber noch eine Menge zu tun. Cinquanta Corse nistete sich auf Rang 3 ein und durfte weiter auf den Titel hoffen. Nach zwei Stunden lagen ATW Racing und Honda Spirit gleichauf, die Verfolger waren mit 40 Sekunden Rückstand fast abgeschlagen. Man wartete auf eine SC-Phase, doch sie kam nicht.

Rahmenbruch! Das erste Liedolsheim-Drama

Nach drei Stunden lag ZAP153 bereits eine Runde zurück, nur Cinquanta Corse hielt sich noch in der Runde der beiden Frontrunner. Alles sah nach einer auf Sonntag vertagten Titelentscheidung aus, als kurz vor der fünften Rennstunde die Bombe einschlug und Honda Spirit ein weiteres Liedolsheim-Drama erleben musste. Rahmenbruch bei der #22!

In Windeseile schob man die #22 zur Box von PRS Berlin und schweißte dort den Rahmen notdürftig, aber in nur 2,5 Minuten, zusammen. ATW lag nun locker vorne. ZAP153 mit einer Runde Rückstand auf P2, rundengleich dahinter Cinquanta Corse. Die #50 hatte eine Stop-and-Go-Strafe wegen der Haltelinie an der Waage kassiert.

Honda Spirit fand sich auf P9 wieder, aber nur eine Runde hinter ZAP153. Boxenstoppbereinigt war es sogar noch weniger, da man die Arbeiten am Rahmen gleichzeitig für den zusätzlichen Fahrerwechsel nutzte, den die anderen Teams noch vor sich hatten.

SC-Phasen nach wie vor: null!

Dies änderte sich erst um 17:35 Uhr, also knapp 30 Minuten vor Rennende. Die #11 vom Rookie-Team LPCC Spirit pwd by Baker Tilly strandete mit Kupplungsproblemen. Dies brachte das Feld zusammen und Honda Spirit in Schlagdistanz zum zweiten Platz. ATW lag mit einer Runde Vorsprung vorne und war nicht mehr einzuholen. Dahinter wurde es wieder spannend. Die #22 hatte trotz der fliegenden Schweißnaht nichts von ihrem Speed eingebüßt und konnte nach dem Restart an ZAP153 vorbei auf Rang 2 fahren.

Alles wieder offen in der Meisterschaft!

Cinquanta Corse hingegen fiel nach einer Zeitstrafe wegen eines Tankboxvergehens auf P4 zurück. Racoon Racing schob sich nun auf den dritten Rang.

Noch drei Minuten – Liedolsheim-Drama, Teil 2!

Noch drei Minuten. Und nun ging alles ganz schnell. Die #22 steht! Erneut SC-Phase! Der Rahmen ist nun endgültig hin. Man schafft es nicht einmal mehr in die Box. Unter Safety-Car-Bedingungen geht das Rennen zu Ende, mit einem überlegenen Sieg von ATW Racing vor ZAP153 und ZAP152. Der MSC Oberflockenbach holt sich P4 vor Racoon Racing. Cinquanta Corse findet sich nur auf Rang 8 wieder, und Honda Spirit wird Zehnter.

ZAP153 ist Meister – ganz ohne großes Drama

In dem ganzen Trubel der Schlussphase ging es fast unter: ZAP153 ist damit vorzeitig Meister und kann den GTC-Titel verteidigen! Ganz unaufgeregt hat die ZAP-Truppe das 7h-Rennen gestaltet. Sie waren nicht die Schnellsten, haben sich vorsichtig nach vorne gekämpft, von der einen oder anderen Zeitstrafe der Konkurrenz profitiert und mit P2 alles klargemacht.

Bei Honda Spirit war die Enttäuschung riesig. Allein nur von Pech zu sprechen, wäre wohl zu einfach. Honda Spirit und der Finallauf in Liedolsheim – irgendetwas passte da nicht.

Honda Spirit und Liedolsheim – eine unendliche Geschichte

2022: Man reist mit 4 Punkten Vorsprung an und … Rahmenbruch! Der Titel geht an ATW.

2023: Die #22 bekommt beim Finale 12 Punkte Abzug für ein zusätzlich eingesetztes Chassis.

2024: Kein Rennen in Liedolsheim – Honda Spirit wird Meister!

2025: Man liegt 4 Punkte zurück und … Rahmenbruch! Der Titel geht an ZAP153.

Und dann dieses Jahr …

Sonntag: Die Jagd nach den fehlenden Zehnteln

Bei ZAP überlegt man kurz, das 5h-Rennen am Sonntag zu schwänzen. Schließlich ist ihnen der Titel nicht mehr zu nehmen. Dann siegt aber der Ehrgeiz, und man sucht über Nacht die fehlenden Zehntel, um beim abschließenden 5h-Rennen zu zeigen, dass der zweite GTC-Titel kein Zufall ist. Auch Honda Spirit motiviert sich neu, schweißt den Rahmen nun ohne Zeitdruck vernünftig zusammen und stellt die #22 pünktlich zum Qualifying an den Vorstart.

Der Sonntag beginnt genau wie der Samstag: mit einer nassen Strecke im Qualifying. Es steht deutlich mehr Wasser auf der Strecke als am Vortag, aber es regnet nicht mehr. Es galt, das gesamte Qualifying zu fahren, um in der letzten Runde die wohl besten Bedingungen für die Pole zu nutzen.

Gesagt, getan! Mit der letzten Runde feuert ARM Motorsport sein OTK auf die Pole vor dem MSC Oberflockenbach, ZAP153 und ATW Racing.

Reifenpoker beim Start zum letzten Saisonrennen

Beim Start zum finalen 5h-Rennen wurde gezockt. Die erste Hälfte des Feldes stand auf Regenreifen, während weiter hinten immer mehr slickbereifte Karts in der Startaufstellung zu finden waren.

Und dann ging es los, in die letzten fünf Stunden einer langen Saison. Die Slick-Fraktion verlor zu Beginn deutlich und hatte bereits Rundenrückstand, bevor sich ihre Rundenzeiten denen der „Regenfraktion“ annäherten. Als nach gut 20 Runden der Kipppunkt erreicht war, stachen die ersten Teams in die Box, um Slicks auszufassen. Cinquanta Corse machte den Anfang, vermasselte den Boxenstopp durch zusätzlich auftretende Bremsprobleme, doch alle anderen zogen nun nach.

Die große Show dabei: Honda Spirit! Die zauberten einen Reifenwechsel in unter 30 Sekunden hin. Auf der Strecke hatte nun die #75 von Cool Runnings, aus der letzten Startreihe auf Slicks gestartet, die Spitze übernommen. Allerdings lagen die Konkurrenten einen Boxenstopp vorne. Nachdem dieser auch von der #75 absolviert war, fand man sich trotzdem in den Top Ten wieder.

Honda Spirit schlägt zurück

An der Spitze? Honda Spirit! Obwohl deren Speed nicht mehr so überlegen war wie am Vortag, hatte man über Nacht doch gute Arbeit geleistet und die #22 konkurrenzfähig zusammengebraten. Das Feld lag insgesamt dichter zusammen als am Samstag. ARM Motorsport, der MSC Oberflockenbach und auch ZAP153 reihten sich bei den Top-Zeiten auf der Strecke ein.

Die Geschichte des Rennens ist dennoch schnell erzählt. ATW Racing strandet mit Bremsproblemen in der Box, das GCD Bosch GTC Team muss den Motor wechseln, genau wie die #154 von ZAP. ARM und die #50 müssen jeweils eine 10-Sekunden-Strafe wegen Überschreitung des Speedlimits verdauen.

Bei Honda Spirit hält das Chassis nun, und man gewinnt den letzten Lauf mit 12 Sekunden Vorsprung vor dem MSC Oberflockenbach und ARM Motorsport. ZAP153 zeigt, dass nun auch der Speed zurück ist, begnügt sich in Feierlaune aber mit Rang 4 vor Racoon Racing.

Was bleibt? Ein verdienter Meister und ein kleiner Lichtblick für Honda Spirit

ZAP153 wird verdient Meister und verteidigt den GTC-Titel. Das war zuletzt Honda Spirit in den Jahren 2019 und 2020 gelungen. Das GTC-Rekordteam mit der #22 greift natürlich auch in der 30. GTC-Saison 2027 wieder an und hat schon jetzt einen großen Vorteil:

Das GTC-Finale findet 2027 nicht in Liedolsheim, sondern in Mülsen statt!