ZAP Festspiele beim Super Race Weekend in Belleben

17. April 2026, 22:47
Autor: Corelie Visser | Bilderquelle: Harald Steeger
ZAP Festspiele beim Super Race Weekend in Belleben

Zum Saisonauftakt der diesjährigen German Team Championship Saison trafen sich 27 Teams im sachsen-anhaltischen Belleben, um die ersten Meisterschaftspunkte auszufahren. Gefahren wurde ein Drei-, ein Vier- und ein Fünf-Stunden-Rennen, die alle einzeln zur Meisterschaft zählen.

Qualifying: Hundertstel entscheiden über die Pole

Bereits im Qualifying zum Rennen 1 umrundete der amtierende Meister die 980 Meter lange Strecke am schnellsten, jedoch nicht wie erwartet mit der Meisterstartnummer #153 aus dem Vorjahr, sondern mit dem aus der Trophy-Wertung aufgestiegenen Kart der #154. Auch wenn die Zeitenjagd mit 17 Teams innerhalb einer Sekunde denkbar spannend war, verpassten die direkten Verfolger #22 Honda Spirit und #34 MSC Oberflockenbach die Pole-Position um wenige Hundertstel Sekunden.

Im darauffolgenden Qualifying zum Rennen 2 drehte sich das Bild, wenn auch nur für die Mannschaft um Carsten Pilger. In dieser Session war die #153 der Pole-Setter und Honda Spirit sowie der MSC Oberflockenbach hatten wieder das Nachsehen. Letztere mussten zu allem Überfluss, mit 0,5 kg Untergewicht, von der Rennleitung die Zeiten gestrichen bekommen, was einen Startplatz am Ende des Feldes bedeutete.

Rennen 1: Dreikampf an der Spitze

Es folgte der Start zum Rennen 1 über 3 Stunden. Gefahren wurde, in diesem Jahr neu, mit einem Mindestgewicht von 185 kg Kart inklusive Fahrer. Bei sonnigen 10 Grad erfolgte die Startaufstellung und das Feld wurde von Rennleiter Christian Bannert pünktlich auf die Reise geschickt. Bereits in der fünften Runde zeigte der MSC Oberflockenbach das Potenzial ihres Mach1-Karts. Nach mehreren Jahren mit einem Tony-Chassis, wie ein Großteil des Feldes, entschied man sich, neue Wege zu gehen, und der erste Eindruck konnte sich sehen lassen. Diesen Speed konnte Honda Spirit nicht konstant mitgehen und rutschte auf den fünften Platz ab.

Nach knapp 25 Runden war es dann soweit: Das Meisterteam ZAP schnupperte die ersten Führungskilometer mit der #153. Im permanenten Führungswechsel mit den Oberflockenbachern und dem Schwesterteam enteilte der Dreierzug der Konkurrenz um satte 10 Sekunden in der ersten Rennstunde. Gefolgt von #10 ARM Motorsport, #22 Honda Spirit und #20 GCD Bosch GTC Team. Zu diesem Zeitpunkt war #50 Cinquanta Corse, das Meisterteam von 2023, bereits aus dem Rennen. Technische Probleme im Bereich der Reifen oder des gewählten Setups veranlassten die Mannschaft um Sandro Petrozziello, die restliche Fahrzeit zur Analyse der auftretenden Probleme zu nutzen, um sich so für die folgenden zwei Läufe eine bessere Ausgangsbasis zu schaffen.

Boxenstopps und erste Rückschläge

Kurz vor Ablauf der ersten 65 Minuten kamen dann planmäßig alle Teams zum Boxenstopp und absolvierten ihre ersten Fahrerwechsel. Leider passierte hierbei den bis dato im Führungstrio involvierten Badenern aus Oberflockenbach ein Speedlimitvergehen, welches eine 10-Sekunden-Strafe beim nächsten Boxenstopp mit sich brachte. Mit von der Partie #5 ATW Racing, die bis zu diesem Zeitpunkt ein eher unauffälliges Rennen um Platz 7 und 8 absolvierten.

Mit diesem ersten Boxenstopp traf es auch das Bamberger GCD Bosch GTC Team. Ein sich „querstellender“ Bremskolben beendete alle Träume von einem guten Saisonstart, so nutzte man ebenfalls die restliche Zeit, um im Vier- und Fünf-Stunden-Rennen wieder angreifen zu können. Ganz anders bei #10 ARM Motorsport: Ein unauffälliges und kontinuierlich sauberes Rennen brachte Reinhard Moser und seine Mannschaft vom fünften Startplatz auf einen respektablen dritten Gesamtplatz hinter den beiden ZAP Teams. Ähnlich lief es bei #69 Racoon Racing mit Platz 10 und #75 Cool Runnings. Die Pforzheimer fuhren sich um ganze zehn Plätze bis auf Platz acht nach vorne.

Rennen 2: Alle Hände voll zu tun für die Rennleitung

Neues Spiel, neues Glück: Nach einem kurzen Parc Fermé und einer anschließenden Reparaturpause von nur 16 Minuten ging es in Lauf zwei am Samstag. Diesmal mit der Vorgabe, 190 kg Gesamtgewicht über das Rennen zu halten.

Vom Start weg nutzte #153 ZAP ihren ersten Startplatz und fuhr bis zum ersten Boxenstopp 11 Sekunden Vorsprung auf die Verfolger heraus. Allen voran #22 Honda Spirit, die wiederum ihren Speed in einen respektablen 21-Sekunden-Vorsprung gegenüber der Verfolgergruppe bestehend aus MSC Oberflockenbach, GCD Bosch GTC Team, Cool Runnings und ARM Motorsport umsetzen konnten. Die vier Stunden sollten jedoch zum Rennen der Speedlimitstrafen werden. Ganze neunmal wurden 10-Sekunden-Zeitstrafen innerhalb dieser 4 Stunden von der Rennleitung ausgesprochen, davon betroffen auch Teams der Spitzengruppe. Und auch der sonst so fehlerfreie Führende kassierte eine Zeitstrafe für verschüttetes Benzin beim Tankstopp: 30 Sekunden zuzüglich der An- und Abfahrt zur Strafbox – damit war erst einmal vorbei mit dem Sammeln von Führungskilometern.

Die bis zur zweiten Rennstunde in der Führungsrunde platzierten MSC’ler hatten einen folgenschweren Rückschlag zu verzeichnen: Als ihr Fahrer sich mit Kettenschaden gerade noch in die Box retten konnte, wurde im Eifer des Gefechts die Strecke von einem Helfer betreten, um beim Schieben zu helfen, was die Höchststrafe von 3 Minuten Standzeit nach sich zog. Damit war das Rennen gelaufen.

Racoon Racing mit starker Aufholjagd

Bei allen Fehlern in der Hektik des Rennens war ein Team am Ende sehr stark unterwegs: #69 Racoon Racing ließ nichts anbrennen und fuhr von einem mittelmäßigen 13. Startplatz vor bis auf Platz vier. Damit setzten die Waschbären ein deutliches Ausrufezeichen. Honda Spirit im Sandwich der beiden ZAP-Teams komplettierte die Plätze eins bis drei.

Regen am Sonntag sorgt für zusätzliche Spannung

Sonntagmorgen dann die vom Wetterbericht prognostizierte nasse Strecke. Der Regen der Nacht hatte seine Spuren hinterlassen. Zwar hatte es aufgehört zu regnen, aber die kalten Temperaturen und die fehlende Sonne machten ein Abtrocknen der Strecke bis zum Rennstart unmöglich. Jeder wusste bereits zu diesem Zeitpunkt, dass es nicht lange dauern würde, bis die Ideallinie abtrocknet. Alle Spitzenteams setzten auf Regenreifen, was eine spektakuläre erste Boxenstopporgie erwarten ließ. Wann würde es Sinn machen, auf Slicks zu wechseln? Würde der Reifenwechsel problemlos laufen? Können die Fahrer die Konzentration über die erste Rennstunde aufrechterhalten, um fehlerfrei bei diesen Bedingungen ihre Positionen zu halten oder möglichst zu verbessern? Spannung lag in der Luft.

Gestartet wurde nach dem Zieleinlauf vom Vier-Stunden-Rennen und die ersten 10 in umgekehrter Reihenfolge. So hatte das #20 GCD Bosch GTC Team mit dem 100. Start in der GTC an ihrem Jubiläumsrennen die Pole-Position für den dritten Lauf über 5 Stunden inne.

Rennen 3: Boxenstopp und Reifenwechsel entscheiden über Sieg und Niederlage

Bereits nach 24 Minuten Rennzeit war es soweit: Die ersten Teams wechselten die Regenreifen gegen profillose Slicks. Hatte man doch bei drei Teams aus der Cup- und Trophy-Klasse, die das Risiko eingingen, auf Slicks in das Rennen zu starten, gesehen, wie sich die Rundenzeiten entwickeln. Überall waren Schlagschrauber und Ratschen zu hören und der eine oder andere Inbusschlüssel flog durch die Luft. Bereits hundertmal geübt und doch ist ein Wechsel im Rennen unter realen Bedingungen nicht zu kalkulieren. Mit 2 Minuten 24 Sekunden setzte #10 ARM Motorsport das Maß aller Dinge. Boxendurchfahrt, Reifenwechsel und eine anschließende Outlap konnte kein anderes Spitzenteam unterbieten. Schnell wurden hier 5, 10 oder noch mehr Sekunden durch herunterfallende Muttern, verkantete Felgen oder schräg angesetzte Werkzeuge verloren – Zeit, die auf der Strecke nur mühsam Zehntel für Zehntel, wenn überhaupt, wieder gutgemacht werden kann. Somit führte man das Rennen verdient an.

ZAP dominiert das Wochenende

Der Speed auf der Strecke der beiden ZAP-Teams war an diesem Wochenende jedoch kaum zu halten und es waren noch über vier Stunden zu fahren. Von Platz 10 und 11 gestartet, setzten sie sich in der 76. Runde nach 1 Stunde und 9 Minuten Fahrzeit an die Spitze und fuhren so einem ungefährdeten Doppelsieg entgegen. Lediglich der MSC Oberflockenbach hätte hier ein Wörtchen mitreden können, hätte man nach dem Ausfall im Vier-Stunden-Rennen nicht vom letzten Startplatz ins Rennen gehen müssen. Die vorgenannten Reifenwechselspezialisten um Reinhard Moser fuhren auf Platz vier. Die anderen Spitzenteams wie Honda Spirit hatten durch technische Probleme keine Chance auf bessere Platzierungen. Hier war es ein gerissenes Starterseil beim Boxenstopp, bei #5 ATW Racing und #50 Cinquanta Corse by ACV waren es ausgeschlagene Felgen und bei Cool Runnings eine missglückte Boxenanfahrt mit anschließender Stop-and-Go-Strafe. Geschichten, die nur ein Langstreckenrennen schreiben kann.