Racoon Racing gewinnt das hochklassige Bavarian 24h 202

21. Juli 2026, 22:48
Autor: GTC | Bilderquelle: GTC
Racoon Racing gewinnt das hochklassige Bavarian 24h 202

Ausgerechnet Racoon Racing, der Trophy-Champ aus dem Jahr 2022, fährt bereits das vierte Jahr in der GTC Top-Klasse, konnte aber bisher noch keinen Gesamtsieg für die #69 einfahren. Die „Party-Mannschaft“ ist bekannt für starkes Set-up, speziell auch in ihrer Party-Zone im Fahrerlager. Pool-Landschaft statt Pole-Position, Dartscheibe und Beatbox sind genauso wichtig wie die Wahl des richtigen Luftdrucks. Die Hessen konnten sich kein passenderes Teamlied aussuchen. Der Ballermann-Song „Der Zug hat keine Bremse“ spiegelt perfekt ihr Lebensmotto wider.

Dass dieser Zug keine gemächliche Bimmelbahn ist, sondern mehr ein ICE der neuesten Generation, zeigte bisher nicht nur der Speed der #69, sondern auch die mitunter hohe Fehler- oder Ausfallquote. Doch dann kam das 27. Bavarian 24h in Wackersdorf, und dies zeigte sich so, wie viele GTC-Langstreckenschlachten verlaufen. Äußerst eng, umkämpft und mit einigen Überraschungen gespickt.

ÜBERRASCHUNG IN DER STARTAUFSTELLUNG

Beispiel gefällig: 32Five & Friends stellten ihr CRG in die erste Startreihe! Die Gaststarter, erst zum zweiten Male am Start des Bavarian 24h, dazu mit einem CRG-Chassis und dem englischen YouTube-Kart-Star Brad Pfilbot, versprachen eine Menge PR, aber ein Startplatz in der ersten Reihe, wow. Die Pole holte sich im Top-12-Star-Quali ARM Motorsport um Reinhard Moser. Bis auf ZAP 154 und Cool Runnings waren alle Siegkandidaten in den Top-12 zu finden. Letztgenannte haderten mit der Abstimmung bzw. dem Speed. Man versuchte alles und hoffte auf Verbesserung im Rennen.
Pünktlich um 14 Uhr senkte Ehrengast Nunzio Giusa (Scuderia Nove-Rosso) das grüne Tuch und gab damit die 27. Hatz zweimal rund um die Uhr in Wackersdorf frei.

FRÜHES CHAOS UND EIN ENGER SCHLAGABTAUSCH

Während der Start in Zweierreihe die Top Ten nicht in Schwierigkeiten brachte, krachte es im Mittelfeld. PCH-Racing (96) und der MSC Oberflockenbach (34) wurden dabei früh in Mitleidenschaft gezogen. Richtig hart traf es dabei NXTMotorsport, die sofort in die Box mussten und erst 20 Minuten später ihre zweite Rennrunde absolvierten.

An der Spitze das berühmt enge Feld, alles blieb beisammen. Auch die ersten Pflichtstopps brachten keine großen Veränderungen. Doch schon nach zwei Stunden deutete sich Überraschendes an. Längst war der Peak der Reifen „verbraucht“, die schnellste Rennrunde war gesetzt (Bestzeit für ZAP 153), und in der fast mörderischen Hitze ließen die Rundenzeiten wie üblich nach. Das traf alle, nur ATW Racing #5 schien irgendetwas gefunden zu haben. Deren Rundenzeiten blieben nahezu stabil, man fuhr sogar erst im dritten Turn die persönliche Bestzeit. Stunde um Stunde wurde der GAP größer. Teilweise konnte ATW Racing 0,5 Sekunden schneller fahren als das restliche Feld. Hier hoffte man nun auf die Nachtstunden und geringere Asphalt-Temperaturen. Den Luftdruck zu justieren, traute sich kaum jemand. In welche Richtung auch, dazu der Zeitverlust – kann man den dann wieder zufahren?

ERSTE FAVORITEN GERATEN INS HINTERTREFFEN

Honda Spirit, ZAP 153, Cinquanta Corse als auch Racoon Racing hielten sich in der Führungsrunde mit ATW. ZAP 152 folgte mit einer Runde Rückstand und GCD Bosch sowie 32Five & Friends waren mit -2 Laps längst noch nicht geschlagen. Dies traf aber drei weitere Top-Mannschaften. ZAP 154 fand einfach nicht den Speed und dümpelte im Mittelfeld, auch weil man auf der Suche nach dem Speed den Motor gewechselt hatte. Einem weiteren Top-Favoriten erging es ähnlich. Der MSC Oberflockenbach kämpfte mit dem Set-up, da half es nichts, dass man in der Anfangsphase (nach Feindkontakt) erst die Spurstange und den Heckauffahrschutz, später dann den Achsschenkel tauschte. Als sich später dann noch Fahrer krank abmelden mussten und das Chassis immer noch nach rechts zog, parkte man die #34 entnervt in der Garage. Dort stand bereits der Pole-Setter. ARM Motorsport #10 strandete mit gebrochenem Motorhalter, wechselte ebenfalls das Triebwerk, um später zurückzutauschen. Man parkte die #10 und kam erst zur 6-h-Sonderwertung zurück auf die Piste.

Die Verbliebenen hangelten sich durch und konnten bis zur 9. Rennstunde sogar an ATW dranbleiben. Dann aber begann die große ATW-Show.

ATW RACING SETZT SICH EINDRUCKSVOLL AB

Selbst bei der abkühlenden Strecke konnte ATW Racing noch zulegen und setzte sich deutlich ab. Die verbliebenen Top-Mannschaften kamen einfach nicht in den Angriffsmodus, im Gegenteil. Honda Spirit kämpfte mit einer nicht trennenden Kupplung, ZAP 153 mit gebrochener Benzinleitung und die 152 von ZAP mit einem Motorwechsel. Da konnte ATW Racing mit einer Blitzreparatur des Auspuffhalters locker vorn bleiben.

Kurz nach der 10-h-Marke Aktion auf der Strecke und Boxengasse. Racoon Racing und die Junioren der Honda Academy (#23) berühren sich am Ende der langen Geraden und fliegen beide heftig in die Airfences. Während die #69 sofort weiterfahren kann, muss das SC-Kart ausrücken, um den Fahrer der #23 aus den großen Schaumstoffelementen zu befreien. Beide Fahrer &  Karts überstanden den Crash ohne größere Blessuren. Honda Spirit nutzt die Gunst der Stunde, um die malade Kupplung zu wechseln, viele andere zum Reifenwechsel. Racoon Racing steuert die Box an, weil bei dem Abflug ein Hinterreifen von der Felge sprang. Man entschließt sich, gleich den neuen Satz zu verwenden. Dank der SC-Phase verliert man nicht viel.

Bei ATW ärgert man sich ein wenig über den kurz zuvor eingelegten Stopp, um den Auspuffhalter nun final vernünftig zu reparieren. Die ATW-Show geht selbst mit dem alten Reifensatz weiter und schnell wächst der Vorsprung wieder an.

HALBZEIT: ALLES SPRICHT FÜR ATW

Cinquanta Corse und Racoon können nun, dank der frischen Pneus, das ATW Tempo fast mitgehen.

Zur Halbzeit ist ATW Racing gut zwei Runden vorn. Dahinter tummeln sich rundengleich ZAP 153, Cinquanta Corse, Honda Spirit und Racoon. In den nächsten Stunden passiert relativ wenig. ATW kontrolliert das Feld. Die #5
hatte ihren Reifenwechsel bis 5 Uhr hinausgezögert, man hatte Bedenken, dass der zweite Reifensatz nicht die Performance aufweist wie der Startsatz. Nach dem Wechsel entspannte Mienen bei ATW. Alles bestens, der neue Satz arbeitet genauso. Mit frischem Gummi pflügt die #5 jetzt noch entspannter durch das Feld. Nach 20 Stunden beträgt ihr Vorsprung nun drei Runden. Bei den Verfolgern liegen Cinquanta Corse, Racoon, Honda Spirit und ZAP 153 noch gleichauf. Man hatte dort aber die Hoffnung auf einen Sieg begraben. Gegen ATW war an diesem Wochenende kein Kraut gewachsen. Die haben irgendwie den Stein des Weisen gefunden.

DAS ERFOLGSGEHEIMNIS DER #5

Das ATW-Geheimnis war relativ einfach und lag bereits ein Jahr zurück. Damals hatten sie ein neues Chassis zum ersten Mal eingesetzt, welches auf Anhieb perfekt funktionierte. Man fuhr damit die schnellste Rennrunde und verpasste den Gesamtsieg nur knapp. Und exakt dieses Chassis wurde danach nicht mehr bewegt, sofort eingelagert und erst zu diesem Rennen wieder aus dem Keller geholt. Das Set-up entsprach noch dem Stand 2025. „Neue Reifen, Luftdruck und das Ding lief einfach so gut wie im Vorjahr, wir haben nichts verändert“, freute sich Armin Buffy, auch weil er sich mit der „Einkellerung“ erst gegen sein Team durchsetzen musste.

DAS DRAMA DREI STUNDEN VOR SCHLUSS

Noch 3 h – Das Drama – Die #5 strandet auf der Strecke, SC-Kart. Bis der Spitzenreiter geborgen ist, sind die drei Runden Vorsprung längst verbraucht. Der Grund ist kurios und selten. Der Fahrer hatte das Lenkrad in der Hand! Leider ohne Verbindung zum  Kart. Die Lenkradaufnahme war gebrochen. Gebrochen war danach das gesamte ATW-Team. Aus 3 plus wurden vier Runden Rückstand. Damit fanden sich nun Cinquanta Corse und Racoon an der Spitze. Eine Runde dahinter lauerten Honda Spirit und ZAP 153, die aber beide die Spitze nicht unter Druck setzen konnten.

RACOON WITTERT DIE GROSSE CHANC

Bei Racoon Racing strahlte man über beide Ohren. Bis auf den Ausrutscher in der Nacht absolut keine Probleme, man freute sich auf das beste Teamergebnis beim Bavarian 24h. „P2 wäre gigantisch, hoffentlich hält unser Kart bis zum Schluss.“ Hey Leute, ihr liegt nur 15 Sekunden hinter Cinquanta Corse zurück! Auf der Strecke tut sich aber nicht mehr viel. Beide umrunden den Kurs mit annähernd gleichen Rundenzeiten. Im Lager von Cinquanta Corse hofft man auf einen zweiten Gesamtsieg beim Bavarian 24h, ist sich aber nicht sicher. Muss Racoon noch nachtanken? Bei der #50 steht lediglich ein „Splash & Dash“ für den Endspurt an.

Die genaue Beobachtung der engsten Gegner steht bei Racoon nicht auf dem Programm. „Wir sind froh, dass wir wissen, wann unser Kart tanken muss, da können wir uns nicht noch um die anderen kümmern.“

DER ENTSCHEIDENDE BOXENSTOPP

So kommt es, wie es kommen muss: Cinquanta Corse tankt beim letzten Stopp, während Racoon Racing einfach nur für einen Doppelturn durch die Box rollt. Aus 10 Sekunden Rückstand werden nun 12 Sekunden Vorsprung. Racoon Racing führt das Rennen an!

Erst da dämmerte dem gesamten Team: „Hey, wir können das Ding gewinnen.“ So zittert und hofft man in den letzten Minuten, dass alles durchhält. Pünktlich um 14 Uhr ist die Sensation perfekt. Racoon Racing gewinnt das 27. Bavarian 24h. Aus vollen Kehlen schmettern alle den Teamsong „Der Zug, der Zug hat keine Bremse“.

JUBEL BEI DEN WASCHBÄREN – STARKES FINALE DER VERFOLGER

Cinquanta Corse fährt mit 12,5 Sekunden Abstand auf P2 und gratuliert als erstes den Waschbären. P3 geht dann noch an ATW Racing, die es tatsächlich nochschaffen  (auch dank zweier SC-Phasen), an Honda Spirit und ZAP 153 vorbeizugehen. Eine weitere Runde zurück folgt die GCD Bosch GTC-Mannschaft, die ein unauffällig starkes Rennen ablieferte. P7 geht dann an das beste Trophy-Team. Endlich sind die Probleme des Saisonbeginns behoben und Schall Racing ist zurück in der Erfolgsspur. Eine starke Vorstellung zeigten die Jungs auf P8. Wenn man nur als Gaststarter einmal im Jahr zur GTC kommt, hängen die Trauben extrem hoch. Bei ihrem Debüt im letzten Jahr noch auf Rang 22, nun in die Top Ten gefahren. Well done! 32Five & Friends hat allen gezeigt, was man mit Teamgeist und selbst mit einem CRG-Chassis ganz weit vorne mitfahren kann.