GTC Speedweek in Oppenrod – Hitzeschlacht mit unerwarteten Siegern
Die Langstreckenspezialisten des Kartsports starteten in Oppenrod zu einem neuen Format, welches sich über gleich 3 Renntage erstrecken sollte. Nach Trainingstagen am Donnerstag und Freitag stand für den Samstag ein 8h Rennen auf dem Programm. Es folgte ein 16h Rennen, aufgeteilt auf den Pfingstsonntag und Montag. Es ging also erstmal in dieserSaison über eine wirklich lange Distanz. Erschwerend kamen die Witterungsbedingungen hinzu.
Schon am Trainingstag, bei gefühlten über 30 Grad, ließ die Teilnehmer erahnen, was das lange Wochenende bringenwürde. Die Rennleitung verkündete eine Verkürzung der max. Stintzeit auf 50 Minuten, die Techniker suchten denpassenden Luftdruck für die erwartete Hitzeschlacht.
Schwieriges Qualifying vor dem 8h Rennen
Das Qualifying für das 8h Rennen am Samstag brachte hier keine wirklichen Erkenntnisse. Man durfte nur 3 Rundenfahren. Dies ist generell zu wenig, um die Reifen auf die richtige Betriebstemperatur zu bringen und einige hatten sich schlichtweg verzählt und fuhren eine Runde zu viel. FAF, ZAP #154, Racoon Racing, die Cool Runnings und die BEBA-GTC Academy mussten sich deshalb ans Ende des Feldes stellen.
Die Pole sicherte sich ZAP #155 ZAP Die Mannschaft war eigentlich nur als 3h-Masters-Team gedacht und wurde erst in Oppenrod zum vollwertigen Team über die komplette Distanz. ARM-Motorsport feuerte ihre #10 auf P2 und die zweite Startreihe belegten der Tabellenführer von ZAP #153 vor dem MSC Oberflockenbach.
Frühe Probleme und enge Spitze
So ging es auf die 8h Reise, wobei Tobias Mosdzen in der #10 den in der GTC eher seltenen zweireihigen Start etwas verwachste und einige Plätze verlor. Die #155 gab das Tempo vor, ohne sich entscheidend absetzen zu können. Das typische GTC Langstreckenrennen nahm seinen Lauf. Niemand kann sich ernsthaft absetzen und keiner kann entscheidend Boden gutmachen, falls man sich durch Probleme oder Strafen einen Rundenrückstand einhandelte. Die Strafversetzten aus dem Qualifying wühlen sich langsam durchs Feld, der Weg ist mühsam.
Die Führung wechselt munter durch, die Strategien der Boxenstopps sind leicht unterschiedlich, man belauert sich. Je länger das Rennen dauert, verabschieden sich die Teams aus dem Kreis der Sieganwärter. Bei ARM muss man die Kupplung wechseln, nachdem zuvor eine Stop&Go (Haltelinie) schon für Rückstand sorgte. Racoon Racing vergisstGewicht nachzulegen und parkt 3 Minuten in der Strafbox. Auch ATW Racing erholt sich 3 Minuten in der Strafbox (fremde Hilfe auf der Strecke). Beim MSC Oberflockenbach gibt es Probleme mit einer wandernden Hinterachse. Da sind 10-Sekunden-Strafen für Speedlimit (#155, #52, #34) dagegen ja Kinkerlitzchen.
Cinquanta Corse meldet sich zurück
Zur Halbzeit haben sich die Führenden zurechtgeruckelt. ZAP #153 hält sich knapp vor Cinquanta Corse und der ZAP #155 Mannschaft, knapp dahinter Honda Spirit. Alle haben da schon Führungsluft geschnuppert. Zwei Stunden späterwird klar: Die #50 brennt wie „Harry“ und ist hier und heute ein ernstzunehmender Gegner, der nicht locker lässt. Klarheit gibt es erst im boxenstoppbereinigten letzten Turn. Cinquanta Corse ist knapp vorn. ZAP #153 folgt mit 5-6 Sekunden Rückstand, dahinter Honda Spirit ebenfalls in Schlagdistanz.
Aber egal was die Gegner versuchen, die #50 hat eine Antwort. Cinquanta Corse hatte nach ihrer Meistersaison 2023 keinen Sieg mehr eingefahren, viel Pech und lange nicht den Speed wie im Meisterjahr. Auch der Auftakt in Bellebenverlief harzig und jetzt das. Die #50 is back und hielt die GTC Elite beim 8h Rennen bis zur Ziellinie in Schach. Alles bestens für ZAP #153. Mit P2 kann der amtierende Meister und aktuelle Tabellenführer bestens leben. Honda Spirit wird starker Dritter mit knappen 13 Sekunden Rückstand auf P1.
Überraschungsteam ZAP #155
Eine ganz starke Leistung auch für die besten Trophy Teams. Die folgen nämlich auf den Gesamträngen 4 und 5. ZAP#155 hatte hier knapp die Nase vorn. FAF Racing auf P5 wühlte sich also erfolgreich durch das Feld und verwies dabei die Top-Runner vom MSC Oberflockenbach und dem GCD Bosch GTC Team auf die nächsten Plätze.
Neben Cinquanta Corse war ZAP #155 die Überraschung. Die Mannschaft wurde erst kurz vor dem Rennen zusammengestellt und das mit einer interessanten Fahrerbesetzung. Lauris Heid absolvierte dieses Jahr dieSlalomsichtung und startete sein erstes Rundstreckenrennen in Belleben, Yanick Schmitt (Lux) kam über die Börse zu ZAP, Hannes Ueberfeld kam neu zu ZAP und Tobias Fischer war ein ehemaliger ZAP Fahrer aus den Anfangsjahren.
ZAP dominiert das 16h Qualifying
Das 16h Rennen am Sonntag begann mit einem Qualifying, das zu einer ZAP Show wurde, obwohl sich der MSC Oberflockenbach die Pole Position holte. ZAP #152 (das Trophy-Team) fuhr mit 2 Hundertstel Sekunden Rückstand auf P2. Cinquanta Corse mit gleichem Rückstand auf P3. ZAP Show? Ja, es folgten dann ZAP #153 vor ZAP #154 & ZAP #155.
Es ist ja schon schwer genug ein GTC Kart einzusetzen und den richtigen Speed zu finden. Aber hier und heute: Alle vier ZAP Karts fuhren eine 57,1. Nur die Kommastellen danach sorgten für den Unterschied. Egal welcher Fahrer, Chassis oder Motor, die 57.1 schien einprogrammiert. Dies bei allen vier Karts hinzubekommen, Hut ab. Es dürfte sich keiner über eine ungleiche Behandlung im Team beschwert haben.
Die Hitzeschlacht fordert ihren Tribut
Nun, Speed ist das eine, Konstanz, Fehlerlosigkeit und keine technischen Probleme das andere. Ein wenig Racing-Glück kann auch nicht schaden bei 16h Renndauer.
So wurde die 16h Hitzeschlacht zu einem typischen Ausscheidungsrennen. Die Überraschung der ersten Hälfte am Sonntag war eindeutig die Racoon Mannschaft. Auf ihrer Heimstrecke passte nun alles, der Speed war da und man tummelte sich in den Top-5. Nach 3h übernahm man Führungsarbeit und hielt je nach Boxenstrategie nun immer Anschluss. FAF Racing handelte sich da schon eine 10-Sekunden-Strafe ein (Speedlimit), genau wie die #75 (Haltelinie) oder der MSC Oberflockenbach wegen 0,5 kg Untergewicht. Außerdem sorgten gleich mehrere SC-Phasen für taktischen Spielraum.
In einer SC-Phase traf es ARM Motorsport. Speedlimit in der Box heißt dann Stop&Go, eine Runde Rückstand handelt man sich damit ein. Honda Spirit hingegen nutzte eine SC-Phase, um neue Vorderreifen auszufassen. Hier zeigte ein Reifen deutliche Überhitzungs- und Abnutzungserscheinungen.
Unfall und Ausfall der Zeitnahme
1h vor der planmäßigen Unterbrechung dann eine Schrecksekunde. Die #3 der BEBA GTC Academy fliegt ohneBremswirkung ab und schlägt ein. Safety-Kart geht auf die Strecke, das Kart wird geborgen, der Fahrer zur Sicherheit im Krankenhaus durchgecheckt. Das Wichtigste: alles i.O., nur Prellungen.
In dieser ganzen Hektik steigt dann die Zeitnahme aus, nur um 8 Minuten später die Arbeit wieder aufzunehmen als wärenichts geschehen. Blöd nur, dass einige kurz davor in der Box waren und viele dann in der „zeitnahmelosen“ Phase.
Zum ersten Mal nach 221 Langstreckenrennen musste in der GTC §8.7 gezogen werden. Dieser regelt, was in solch einem Fall passieren muss. Der zuletzt erfasste Stand der Zeitnahme gilt und damit wird das Rennen dann fortgesetzt. Daman getätigte Boxenstopps mit Nachtanken und Reifenwechsel nicht auch einfach „zurückdrehen“ kann, trifft es nun einige Teams, während andere einfach Glück haben. Dies traf unter anderem die Racoon Mannschaft, die kurz zuvor ihren Boxenstopp absolviert hatte.
Das Rennen wurde dann gar nicht mehr aufgenommen, sondern 30 Minuten früher als geplant ins Nacht-Parc Fermee verbracht, man wollte erst abwarten, ob es dem Unfallfahrer auch wirklich gut geht.
Entscheidung am Montag
Der Zwischenstand nach 454 Runden: ZAP mit der Doppelführung (153 vor 152). Dann Honda Spirit und CinquantaCorse. ARM Motorsport folgt mit einer Runde Rückstand vor Racoon, dem GCD Bosch GTC Team und FAF Racing.
Der letzte Tag der Speedweek.
Das Parc Ferme öffnet planmäßig am Montagmorgen und die Teams dürfen nun 10 Minuten schrauben bevor es weitergeht. Bevor sich ein Rad dreht bekommt Honda Spirit ein Stop&Go. Die #22 wird im Boxenzelt statt in der Tankbox nachgetankt!
Dann geht die Reise los. Honda Spirit muss die Strafe absitzen und fällt eine Runde zurück. ARM Motorsport gast an und kann sich, auch mit Hilfe einer SC-Phase, in den folgenden 3 Stunden zurückrunden und liegt nun auf P4 hinterCinquanta Corse und beiden ZAP Teams.
Drama um ZAP #153
Erneut eine SC-Phase, ein ZAP Kart parkt auf der Strecke. Es ist die Top-Mannschaft, die #153, Hinterachse gebrochen.Das Kart wird geborgen, man wechselt die Hinterachse in einer Rekordzeit (4.13 Minuten). Das Kart ist vor Beendigung der SC-Phase wieder auf der Strecke, hat aber 6 Runden verloren, P12.
Nun kommt Racoon Racing ins „Stottern“, man wechselt den Vergaser und verliert viel Zeit in der Box.
Sensationssieg für ZAP #152
Es nähert sich die letzte Rennstunde. ZAP #152, das Trophy-Team, ist vorn. ARM, Honda Spirit und Cinquanta Corse folgen nun mit Rundenrückstand. Die letzten Stopps: ZAP #152 erledigt dies 4 Sekunden schneller als ARM. Die #10 hatdadurch 10 Sekunden Rückstand, es geht noch gut 40 Minuten. ARM ist einen Tick schneller und robbt sich langsam wieder ran. Bis ins Ziel knabbert man 5 Sekunden Rückstand ab, aber es reicht für ZAP #152.
Seit sehr langer Zeit triumphiert damit eine Trophy Mannschaft im Gesamtklassement. ARM Motorsport wird Zweiter vor Honda Spirit, Cinquanta Corse und dem GCD Bosch GTC Team. Auch ATW beißt sich durch. Vom Speed viel zuweit weg (nur die 19.-schnellste Zeit) zeigt man mal wieder, dass in der Langstrecke Aufgeben nicht gilt. Immer dran bleiben, alles geben und schon geht es nach oben.
Mit ZAP #152 gewinnt eigentlich das falsche ZAP Team, das tat der Freude keinen Abbruch, schließlich erinnert man sich bei der #152 noch gut an das „Seuchen-Jahr 2025“, als man ohne Chance auf Rang 8 der Trophy-Abschlusstabelle landete.
Auch im Lager von Cinquanta Corse jubelte man. Zurück im Meisterschaftskampf, die #50 war das beste Team der Speedweek, man holte 96 Meisterschaftspunkte und machte einen Satz von P13 auf Rang 5 der aktuellen Tabelle.


