Die Entscheidungen in der SKM sind gefallen
Beim Finale der autobau Schweizer Kart-Meisterschaft in Wohlen fielen auch in den noch offenen Kategorien die Entscheidungen. Die neuen Schweizer Meister 2026 heissen: Ben Iten (Super Mini), Dilan Roman Fricker (OK Junior), Dan Allemann (X30) und Kilian Boss (KZ2).
Ben Iten, Dilan Roman Fricker, Dan Allemann und Kilian Boss heissen die Schweizer Kart-Meister 2026. In drei der vier Kategorien fiel die Entscheidung beim Finale zur autobau Schweizer Kart-Meisterschaft am vergangenen Samstag in Wohlen. Entschieden war schon vor dem sechsten Rennen die Kategorie X30 Challenge Switzerland. In dieser setzte sich Dan Allemann (Spirit Racing) beim vorletzten Lauf in Cremona (ITA) durch. Der neue X30-Champion verzichtete deshalb auf das Finale und fuhr stattdessen in Le Mans den IAME Eurocup. Weil auch der Zweitplatzierte Michael Müller (Virtus Motorsport) so gut wie nicht mehr einzuholen war, war es vor allem der Kampf um Platz 3 im Gesamtklassement, der für Spannung sorgte. Die grosse Frage, die sich stellte: Können Nicola Mateo Frigg (MH Racing) oder Gauthier Sanjuan (Spirit Racing) den in Wohlen ebenfalls abwesenden Alexis Genolet (LKM Racing) noch abfangen? Die Antwort lautete – ja. Wobei Frigg sich Rang 3, Sanjuan Rang 4 sicherte. Es hätte durchaus aber auch anders kommen können. Der schnelle Gauthier startete nach den Plätzen 1 und 2 in den Vorläufen von der Pole-Position ins Finale und hätte dieses mit dem Speed, den er an den Tag legte, wohl auch gewonnen. Doch schon am Start ausgangs der ersten Kurve wurde der Spirit-Fahrer umgedreht. Die anschliessende Aufholjagd von ganz hinten war beeindruckend und endete abzüglich einer Fünf-Sekunden-Strafe (Spoiler) Auf Rang 6. Der Sieg im Finale ging an Tyron Jaquet, der für das Missgeschick seines Teamkollegen am Start verantwortlich war. Jaquet überquerte die Ziellinie als Zweiter, profitierte aber von einer Strafe gegen Müller. Dieser ist beim Aufreihen am Start (nach dem Schild «Formation») weiter «Zick Zack» gefahren. «Schade – ich hätte natürlich gerne das Finale gewonnen», sagt Müller. «Aber mit dem zweiten Gesamtplatz hinter Dan kann ich gut leben. Hätte mir vor der Saison jemand in Aussicht gestellt, dass ich Zweiter in der Meisterschaft werden kann, ich hätte sofort unterschrieben.» Platz 3 im Finale ging an Samuel Schär. Der Fahrer aus dem Team MH Racing schaffte es als einziger X30-Pilot dank starken Darbietungen im Nassen und im Trockenen in allen drei Läufen aufs Podest. Das Duell im zweiten Vorlauf gegen Sanjuan, das Schär zu seinen Gunsten gewann, wäre das Eintrittsgeld alleine wert gewesen, hätte es denn eines gegeben…
Bei den Super Minis, den Jüngsten (8-12 Jahre) fiel die Entscheidung nach dem zweiten Vorlauf. Der mit einem 43-Punkte-Polster ins Rennen gegangene Ben Iten (Spirit Racing) machte mit seinem insgesamt elften Saisonsieg alles klar. Im ersten Durchgang lief es für den Elfjährigen aus Baar/ZG nicht nach Plan. In der ersten Kurve nach dem Start drehte sich Iten auf dem nassen Geläuf. Später steckte er dann sogar noch in der Bande fest, konnte das Rennen aber fortsetzen und wurde hinter Siegerin Joy Allemann (ebenfalls Spirit) und Teamkollege Kimi Prost noch Dritter. Im Finale war es abermals die Schwester von Dan Allemann die beim Heimrennen triumphierte. Iten (als Meister) wurde Zweiter, Rang 3 erkämpfte sich mit knappem Vorsprung Lewis David aus dem Team Swiss Hutless. Im Kampf um Platz 3 im Gesamtklassement (hinter Iten und Allemann) setzte sich Prost durch. Der Neffe des viermaligen Formel-1-Weltmeisters Alain Prost profitierte von einem Nuller Davids im ersten Vorlauf, weil an dessen Kart der Motor streikte. «Ich freue mich sehr über diesen Titel», meinte Iten. «Wenngleich ich mir manchmal mehr Gegner gewünscht hätte.»
Auch Kilian Boss durfte bereits nach dem zweiten Durchgang erste Gratulationen entgegen nehmen. Der Berner hatte mit 47 Punkten Vorsprung in der Kategorie KZ2(also bei den Schaltkarts) am meisten Luft nach hinten. Und Boss sowie sein Team Swizz Evenzz liessen sich, auch wenn kein weiterer Sieg mehr in Wohlen dazukam, nicht aus der Ruhe bringen. Mit viel Routine und Blick auf die Meisterschaft fuhr der Young Driver von 2023 in einem ausgeglichenen Feld souverän zu seinem ersten Schweizer Meister-Titel, nachdem er 2023 und 2025 schon in der VEGA Trofeo erfolgreich war (1x in der X30, 1x bei den Schaltkarts). Platz 2 im Gesamtklassement ging an Bastien Liénard. Der Fribourger, der in Cremona seinen ersten Finalsieg feierte, doppelte in Wohlen nach. Wie schon im Training am Freitag war der 27-jährige Privatbewerber auch im trockenen Finale am Samstag der schnellste Pilot. Dank eines fulminanten Finishs und 132 Punkten aus den letzten zwei Rennwochenenden (!) hat sich Liénard den Vize-Titel gesichert. Rang 3 im Gesamtklassement holte sich Florian Esteve von DEL motorsports, dem Team der Gebrüder Luyet. Einen erfolgreichen Renntag erlebte auch Emilien Koestner. Der Teamkollege von Esteve eroberte nicht nur zum ersten Mal die Pole-Position, er siegte auch in beiden Vorläufen und stellte damit seine Qualitäten als Regenfahrer unter Beweis.
Für die grösste Spannung (auf dem Papier) sorgte die Entscheidung in der Kategorie OK Junior. Dort führte vor dem Finale in Wohlen Dilan Roman Fricker (Swiss Hutless) vor Alejandro Campos (Spirit Racing). Doch auch hier reichte das Polster, wenngleich Campos in allen drei Rennen vor Fricker ins Ziel kam. Letzterer rechnet sich vor dem Finale aus, dass auch ein neunter Platz zum Titelgewinn reichen würde. «Nur ausscheiden darf ich nicht», meinte Fricker. Und als es dann mitten im Rennen zu tröpfeln begann und alle auf Slicks unterwegs waren, kam plötzlich nochmals Spannung auf. Campos hatte nach einem Abflug von Leader und Teamkollege Aaron Buhofer (so schnell kann’s gehen…) die Führung übernommen und gewann das Rennen schliesslich auch. Fricker war zu diesem Zeitpunkt Zweiter, liess dann aber Cyrill Sarkar (MH Racing) und Liam Flossbach (Spirit Racing) ziehen. Der vierte Platz reichte danach locker zum Titelgewinn – sehr zur Freude seines Teams. «Es war nicht ganz einfach, das Kart bei diesen Bedingungen auf der Strecke zu halten», meinte Fricker. «Aber ich wusste ja, dass ich einfach ins Ziel kommen musste. Und das habe ich getan.» Hinter dem neuen Junioren-Meister sicherte sich Campos (mit nur zwölf Punkten Rückstand) die Vize-Meisterschaft. Platz 3 ging an Buhofer. Punktgleich auf Platz 4 (aber im Vergleich mit Buhofer ohne Rennsieg) wurde Sarkar Vierter. Tränen gab’s nach dem Rennen bei Flossbach. Der Basler beendete das Finale auf Platz 2 (so gut wie noch nie), rutschte dann aber nach der Zieldurchfahrt von der Piste und drückte sich den Spoiler ein. Dafür gab es eine Fünf-Sekunden-Strafe, wodurch Flossbach von P2 auf P3 zurückversetzt wurde. Bis zur Siegerehrung waren die Tränen dann aber wieder trocken, wenngleich es bei der Podiumszeremonie so richtig zu schütten begann…
Auf im Gleichmässigkeit ausgelegten Swiss Historic Kart Cup, der in Wohlen ebenfalls sein Finale austrug, sicherte sich Armando Gaudino den Tagessieg vor Adrian Egli und Neel Jani. Der Le-Mans-Sieger von 2016 hatte im zweiten Lauf sehr viel Pech. Weil die Zündung streikte musste er zuschauen. Andernfalls hätte er bei seinem Gaststart auch gewinnen können. Die Gesamtwertung (nach drei Rennen) ging an Hansueli Lehmann. Zweiter wurde Sandro Melena, Dritter Adrian Egli.


