Spirit-Festspiele im Land der Schaumweine

30. März 2026, 20:48
Autor: Eichenberger | Bilderquelle: Eichenberger
Spirit-Festspiele im Land der Schaumweine

Zwei Spirit-Fahrer haben beim Auftakt zur autobau Schweizer Kart-Meisterschaft im italienischen Franciacorta auf der ganzen Linie überzeugt: Aurelio Longhitano bei den Junioren und Dan Allemann in der X30 Challenge Switzerland.

Aurelio Longhitano und Dan Allemann sind ihrer Favoritenrolle beim Auftakt zur autobau Schweizer Kart-Meisterschaft vollauf gerecht geworden. Die beiden jungen Spirit-Piloten haben am ersten Rennwochenende in Franciacorta (ITA) im grossen Stil abgeräumt und je einen «Grand Slam» (Pole-Position, drei Laufsiege und schnellste Rennrunde) erzielt. Und das trotz starker Konkurrenz. Aber alles der Reihe nach.

Der 12-jährige Longhitano aus Mörigen am Bielersee setzte sich im Qualifying der OK Junioren erfolgreich gegen seine Teamkollegen Zoltan Coigny und Alejandro Campos durch. Dasselbe Bild bot sich danach in den Vorläufen – Longhitano war zwar ständig unter Druck, liess sich aber nicht ins Boxhorn jagen und fuhr so die ersten beiden Saisonsiege ins Trockene. Im Finale hätte es – mit Coigny im Nacken – vermutlich ähnlich ausgesehen. Aber der junge Mann vom Genfersee, der die Schweiz in der FIA Academy vertritt, kam im Gedränge der ersten Kurve vom rechten Weg ab und musste sein Kart hinterher abstellen. Sehr viel entspannter hatte es Longhitano danach nicht. Nun machte der 14-jährige Campos aus Vuiteboeuf Jagd auf seinen Stallgefährten. Doch wieder blieb Longhitano cool und überquerte die Ziellinie nach 19 Runden als Erster – vor Campos, der als Zweiter sein bisher bestes Ergebnis in der autobau Schweizer Kart-Meisterschaft feiern durfte. Platz 3 ging nach einer starken Leistung (zwei Mal Fünfter in den Vorläufen) an Dilan Roman Fricker aus dem Team Swiss Hutless Karts. Auch für ihn war dieser dritte Rang der erste Podestbesuch im Rahmen eines Rennen zur autobau Schweizer Kart-Meisterschaft. Einen versöhnlichen Abschluss gab es auch für Aaron Buhofer. Nachdem der amtierende Super-Mini-Meister im ersten Vorlauf schon in der Aufwärmrunde von der Strecke kreiselte, machte er mit Platz 5 (hinter dem italienischen Gastfahrer Leonardo Lanza) und einer feinen Aufholjagd auf sich aufmerksam.

Mit einem etwas deutlicheren Vorsprung als Longhitano sicherte sich Dan Allemann (14) seine drei Laufsiege beim Auftaktrennen der X30 Challenge Switzerland. Eklatant war vor allem sein Vorsprung im Qualifying. Zwei Zehntelsekunden sind in der Kategorie, in der Einheitsmotoren von IAME zum Einsatz kommen, eine halbe Welt. Hinter Allemann, der sich danach weder in den Vorläufen, noch im Finale eine Blösse gab, sicherten sich Elias Lehmann (ebenfalls Spirit) und Michael Müller (Virtus Motorsport) jeweils die Plätze 2 respektive 3. Für Letzteren war der dritte Rang eine Bestätigung seiner starken Leistung aus dem Vorjahr (damals noch bei den Senioren). «Es freut mich sehr, dass ich mit all diesen jungen Burschen mithalten konnte», sagt der 26-jährige «Oldie», der in den Vorläufen mit dem einen oder anderen sehenswerten Überholmanöver den Beweis erbrachte, dass ein leicht fortgeschrittenes Alter noch lange kein Hindernis sein muss… Nicht ganz nach vorne reichte es beim ersten Rennen für Alexis Genolet (5., 5., 4.), Neil Russell (4., 4., 6.) und Gauthier Sanjuan (8., 6., 5.). Ein Wochenende zum vergessen erlebte X30-Neuling Nicola Mateo Frigg aus dem Team UBIQ Racing. Im Quali noch Zweitschnellster hinter Allemann versagte im ersten Vorlauf der Anlasser. Im zweiten Vorlauf bremste ihn dann ein defekter Pleuel ein. Und in Rennen 3, als wäre es nicht schon genug des «Bösen», gab die Kerze ihren Geist auf.

Für etwas mehr Abwechslung unter den Top 3 sorgten die Super Minis. Im Qualifying überraschte Joy Allemann, die Tochter von Spirit-Teamchef Kenn Allemann, ihre männlichen Kontrahenten mit der Pole-Position. Und beinahe hätte sie auch den ersten Vorlauf gewonnen. Bis Rennhälfte lag die Elfjährige noch vorne, dann wurde sie aus den Top 3 verdrängt und schliesslich noch in eine Kollision mit Kimi Prost, dem Enkel des viermaligen Formel-1-Weltmeisters Alain Prost, verwickelt. Der Sieg im ersten Vorlauf ging an den britischen Gastpiloten Michael Fineas – vor Ben Iten, Spirit-Teamkollege von Joy Allemann. Im zweiten Vorlauf drehte der Zuger Iten den Spiess um. In der letzten Runde kassierte er Fineas. Weil es aber zwischen den beiden zur Berührung kam und dabei Itens Frontspoiler eingedrückt wurde, fiel Ben aufgrund einer 5-Sekunden-Strafe von Platz 1 auf Platz 5 zurück. Im Finale sicherte sich Iten – wieder in der letzten Runde – dann doch noch den Sieg. Fineas wurde Zweiter, Prost Dritter. Für Allemann endete das Rennen auf Rang 4 vor Lorik Shahinaj, der in beiden Vorläufen mit Platz 3 eine beeindruckende Leistung zeigte.

Knapp an einem «Grand Slam» vorbei schrammte Florian Esteve (DEL motorsports) bei den Schaltkarts, der Kategorie KZ2. Der 18-jährige Walliser gewann alle drei Rennläufe – jeweils mit mehr als zwei Sekunden Vorsprung. Esteve, der im vergangenen Jahr Dritter in der KZ2 wurde, auf die neue Saison von Birel- auf CRG-Chassis wechselte, fuhr in beiden Vorläufen vorne weg. Im Finale hatte er etwas länger zu beissen, ehe er einen Weg vorbei an Kilian Boss fand. Allerdings hätte Esteve auch mit Platz 2 vorlieb nehmen können. Denn Boss bekam wegen eines Frühstarts fünf Strafsekunden aufgebrummt. Das warf den ehemaligen Young Driver auf den undankbaren vierten Platz zurück – hinter Privatbewerber Bastien Liénard und Neo-Papa Paolo Castagnetti (Gerber Team Corse). Letzterer verlor Platz 2 kurz vor Rennende an Liénard. Darüber machte er sich allerdings weniger Gedanken als über den Rückstand auf Esteve. «Der ist uns pro Runde eine Zehntelsekunde davongefahren.» Ganz zur Freude der beiden Gebrüder Luyet – die, wie es scheint, einen nächsten Rohdiamanten gefunden zu haben.