10. Januar 2018, 11:36 | Autor: Fast-Media - Björn Niemann

Kartbahnsterben im Bundesgebiet

Nach dem Aus des Hunsrückring/Hahn im September des vergangenen Jahres, macht nun eine weitere Hiobsbotschaft die Runde. Der Erftlandring in Kerpen steht vor dem Aus und eine neue Strecke wird es nicht geben. Damit verschwindet die nächste renommierte Kartbahn in Deutschland.

Das die Rennstrecke des Kart-Club Kerpen-Manheim dem Braunkohletagebau weichen muss, ist schon seit Ende der 90er Jahre bekannt. 2020 endet nun endgültig der Bestandschutz und die Schmiede der besten Rennfahrer der Welt muss den großen Braunkohle Baggern weichen. Bis zuletzt war der Verein bemüht einen Ausweichstandort zu suchen. Mit der Sophienhöhe in Düren, sowie einer Kiesgrube in Blatzheim gab es gleich zwei passende Orte. Doch die Bezirksregierung und die Bevölkerung machten den Vorhaben ein Strich durch die Rechnung.

Wie geht es nun weiter? Die Kartbahn mit dem 20 Hektar großen Grundstück gehört zu zweidrittel Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher. Das andere Drittel liegt in den Händen des Kart-Club Kerpen-Mannheim. Der überlegt nun den Verkauf an die RWE. Eine endgültige Entscheidung könnte auf der Jahreshauptversammlung des Kart-Club am 01. Februar fallen. „Wir werden das Thema in der Versammlung besprechen, aktuell gibt es noch keine Entscheidung“, sagt Rene Köhler, Pressesprecher des Kart-Club Kerpen-Manheim.

Bis zuletzt haben die Verantwortlichen der Rennfahrer-Schmiede um den Verbleib gekämpft. Mit einer großen Kampagne unter dem Titel „Überstützt den Erftlandring in Kerpen“ wurden nochmals alle Kräfte gebündelt und die Resonanz aus Politik und Medien war groß – leider aber ohne Ergebnis.

Sollte der Erftlandring 2020 von der Bildfläche verschwinden, verliert Deutschland eine weitere große Kartbahn und wird zum Entwicklungsland im Kartsport. Schon jetzt suchen die großen Rennserien Deutschlands nach Einsatzorten, die nicht gefunden werden. Die Deutsche Kart Meisterschaft startet schon zwei Mal im Ausland und das ADAC Kart Masters ist gleich zu zwei Veranstaltungen in Wackersdorf zu Gast.

Welche Alternativen gibt es um die Entwicklung zu stoppen? Der Bau einer neuen Kartbahn stellt sich in Deutschland als schwierig dar. Gesetzliche Bestimmungen und die Einstellungen der Bevölkerung machen Vorhaben meistens schon vor dem Start zu Nichte. Bereits seit mehreren Jahren gibt es die Planungen in Sachsen eine neue Kartbahn zu bauen, ein wirklicher Fortschritt ist nicht zu erkennen. Auch hier gab es von Beginn an Bürgerbegehren gegen das Bauvorhaben.

Trotzdem sollte man nicht komplett schwarzsehen. Zuletzt machte die Kartbahn Dahlemer Binz mit positiven Nachrichten auf sich aufmerksam. Vergangenen Winter wurde die Traditionsstrecke neu asphaltiert, doch um Rennserien wie die DKM, das ADAC Kart Masters oder auch die Rotax Max Challenge Germany zu begrüßen, musste die Infrastruktur ausgeweitet werden. Auf jeden Fall werden die kommenden Jahre spannend für den deutschen Kartsport. Wir hoffen auf eine Trendwende, damit auch zukünftig neue Rennsporttalente in Deutschland geboren werden.